Die Geschichte des WingTsun
WingTsun wurde vor ca. 300 Jahren von Frauen aus traditionellen
Kriegskünsten zu einem individuellen Selbstverteidigungssystem
weiterentwickelt.
Der damals permanente Kriegszustand in China führte dazu,daß Frauen, vor allem auf der Flucht, als Freiwild betrachtet wurden. Eine dieser Frauen hieß Yim WingTsun.

Nach ihr wurde diese Kampfkunst benannt. Wie man sagt, soll die buddhistische Nonne Ng Mui, die über das Können des Shaolin-Kung Fu verfügte, erkannt haben daß ein auf Kraft basierendes System, wie das Shaolin-Kung Fu, nicht der Weg einer Frau sein könnte. Aufgrund der Zerstörung ihres Klosters durchVerräter, die ebenfalls die Kampfkunst des Shaolin-Kung Fu beherrschten, wollte Ng Mui ein Kampfsystem schaffen, das diesem überlegen war und auch von einer Frau erfolgreich praktiziert werden konnte.
So entwickelte Ng Mui ein System, das zwar optisch nüchtern gehalten, dessen praktische Anwendbarkeit jedoch einmalig war. Ng Muis Ansicht nach, war das Shaolin-Kung Fu mit seinen festgelegten (toten) Bewegungen zu schwerfällig und unpraktisch. Ihr eigenes, neu entwickeltes System unterschied sich davon erheblich, weil seine Bewegungen höchst einfach und anpassungsfähig waren. Die Kampfmethode von Ng Mui kam mit nur drei Boxformen (japan. Kata) und einer Holzpuppenform aus. Alle Bewegungen, die Ng Mui entwickelte, waren unmittelbar auf die Praxis, auf den Kampf bezogen. So gab es auch keine phantasievollen, schmückenden Benennungen der Formen oder Techniken mehr. Die Namen für die Bewegungen bezeichneten nunmehr sachlich den Grund oder die Ausführung jeder Bewegung. Ein weiterer Unterschied zwischen dem Shaolin-Kung Fu und Ng Muis neuem System lag in der Überbetonung des Kraftaspektes, der im Shaolin besonders kultiviert wurde. Ng Mui zielte darauf ab, den Gegner mit Methode statt mit Kraft zu besiegen. Zu diesem Zweck setzte der Anwender dieses neuen Kung Fu-Systems anpassungsfähige Handtechniken, einen flexiblen Stand sowie freie und schnelle Schritte ein, während sich der Shaolin-Stilist auf seine starken Armtechniken, seinen festen Stand und schwere Schritte verließ. Bei Ng Mui beherrschen nicht mehr kraftstrotzende Bewegungen, sondern technisch orientierte, auf den Punkt gerichtete Bewegungen das Kämpfen. Ng Mui versuchte nicht mit Kraft gegen Kraft zu reagieren, sondern überlegte, wie sie die Kraft des Gegners gegen ihn ausnutzen kann.
WingTsun ist ein weicher, innerer Stil, der durch seine Prinzipien besticht. Zielgerecht wird die Kraft des Gegners durch geschicktes Aufnehmen und Verformen der Arme, gegen ihn verwendet. Das von ihr kreierte System gab sie an Yim Wing Tsun weiter, die unter den Belästigungen eines dorfbekannten Schlägers litt. Mit diesem Wissen stellte sich Yim Wing Tsun dem Schläger und besiegte ihn im Zweikampf. Yim Wing Tsun wurde Namensgeberin des neuen Kampfsystems.
WingTsun wurde von Generation zu Generation weitergegeben und verfeinert, blieb jedoch als Geheimstil über Jahrhunderte unentdeckt

Der 1972 verstorbene Großmeister Yip Man war der erste, der WingTsun öffentlich unterrichtete. Nachdem er nach Hongkong geflüchtet war, sah er sich gezwungen, seinen Lebensunterhalt mit dem Unterricht dieser Kampfkunst zu verdienen.

Er hatte viele Schüler, unter ihnen Bruce Lee, doch erst als er sich eigentlich schon vom Unterricht zurückgezogen hatte, nahm er Großmeister Leung Ting als Closed-Door-Student zu sich auf. Von dem siebzigjährigen Yip Man erlernte der heutige Welt-Cheftrainer ein Kampfkunstsystem, welches das Ergebnis der lebenslangen WingTsun-Praxis des Großmeisters Yip Man war, den sogenannten „Altersstil“. Entscheidender Unterschied bei diesem Stil war, daß weder Körperkraft noch Augenmaß eine Rolle spielen durften. Dieses System erlernte der jetzige Europa-Cheftrainer Keith R. Kernspecht als Privatschüler Großmeister Leung Tings.

Keith R. Kernspecht gründete die EWTO (Europäische Wing Tsun Organisation) und begann WingTsun, anfangs in Deutschland, später in ganz Europa, zu verbreiten.

Heute lernen weltweit mehrere zehntausend Mitglieder in über 40 Ländern an WT-Schulen dieses von Yip Mans letztem Meisterschüler Leung Ting aktualisierte Kampfkunstsystem.