Die Geschichte des Escrima
Seit GM Kernspecht 1977 die beiden Escrima-Pioniere Bill Newman und R. Latosa nach Kiel eingeladen und mit ihnen zusammen das erste Buch über die philippinische Kampfkunst herausgegeben hatte, ist das Waffentraining ein fester Bestandteil des Angebotes der IWTO.

Diese Ergänzung ist insbesondere deswegen eine Bereicherung für alle Verbandsmitglieder, die am Waffenkampf interessiert sind, da im WingTsun-System erst in den höchsten Unterrichtsprogrammen der Langstock und die Doppelmesser gelehrt werden.

Vor allem der unermüdlichen Arbeit von Großmeister Bill Newman ist es zu verdanken, dass das Escrima bis heute zu einem komplexen Unterrichtssystem entwickelt wurde, das dem Schüler zahlreiche faszinierende Aspekte im Umgang mit Waffen vermittelt.

Auf der Grundlage der Konzepte der philippinischen Kampfkunst werden heute im Escrimaunterricht folgende Schwerpunkte gesetzt, nach denen der einzelne Schüler je nach eigener Zielsetzung sein individuelles Training ausrichten kann

Großmeister Bill Newman

GM Bill Newman ist einer der ersten Europäer, die die Kunst des philippinischen Waffenkampfes erlernten.

Bill Newman begann sich in den frühen sechziger Jahren für Kampfkünste zu interessieren. Damals war außer Judo und Jiu Jitsu keine asiatische Kampfkunst bekannt. Durch einen Zufall lernte er den Martial Arts-Pionier Brian Jones kennen und wurde sein Privatschüler. Bei ihm lernte Bill Newman eine Mischung aus Wado Ryu-Karate und Wing Chun, und er trainierte sieben Jahre lang jeden Tag mit großem Eifer. Über seinen Trainingskollegen Dick Morris erfuhr Bill Newman eines Tages, dass nicht weit von seinem Haus entfernt der Escrima-Lehrer R. Latosa lebte und dort philippinischen Waffenkampf unterrichtete. Natürlich war Bill Newman sofort sehr neugierig auf diese exotische Kampfkunst und begann mit dem Training. Über R. Latosa lernte Bill Newman viele der großen alten Escrimadores wie Angel Cabales, Leo Giron oder John Latosa kennen. Einige Jahre trainierten Bill Newman und R. Latosa zusammen, reisten durch ganz Europa und machte die Martial Arts-Szene mit dieser damals noch gänzlich unbekannten Kampfkunst bekannt.

Seit Jahrzehnten ist GM Bill Newman auf der ganzen Welt unterwegs, um das Escrima zu verbreiten.

Im November 1977 erhielten Bill Newman und Latosa eine Einladung von GM Keith R. Kernspecht nach Kiel, um dort ein Escrima-Seminar zu halten. GM Keith R. Kernspecht hatte in diversen Magazinen über die beiden gelesen, und wollte Escrima mit eigenen Augen sehen. Glücklicherweise war er auch ein Buchverleger und -autor und beschloss auf der Stelle, ein Escrima-Buch zu schreiben. Das erste und einzige Buch über diese philippinischen Kampfkunst erschien 1979 im Wu Shu-Verlag Kernspecht und wurde aufgrund der großen Nachfrage nach zwanzig Jahren wieder neu aufgelegt.

Nachdem er seinen Militärdienst in Europa beendet hatte, kehrte R. Latosa in die USA zurück, und Bill Newman fuhr fort, in Europa unter dem Dach der Europäischen WingTsun Organisation (EWTO) Escrima zu unterrichten. Regelmäßig reiste er in die USA, um von den besten Escrima-Lehrern zu lernen und seinen europäischen Schüler so einen hohen Standard vermitteln zu können.

Über das philippinischen Escrima fand Bill Newman auch Zugang zur großen Tradition der europäischen Waffenkünste. In Jahrzehnte langer Forschung entdeckte er zahlreiche abendländische Waffen und Kampfkonzepte wieder, die nur noch wenigen spezialisierten Fachleuten bekannt waren. Er untersuchte die Anwendbarkeit der Prinzipien des Escrima auf diese „gattungsfremden“ Waffen und entwickelte eine neue Sparte „mittelalterliche und antike Waffen“ für die Escrimadores der EWTO.

Unermüdlich ist Großmeister Bill Newman seit über dreißig Jahren rund um die Welt unterwegs, um einer ständig wachsenden Zahl von begeisterten Escrimadores die traditionellen Waffenkünste Südostasiens und Europas näher zu bringen. Als einen der renommiertesten Escrima-Lehrer berief ihn die Staatsuniversität Plovdiv zum Gastprofessor für Waffenkampf.
Escrima – Selbstverteidigung

GM Bill Newman unterrichtet die effektiven Selbstverteidigungstechniken des Escrima.

Die Selbstverteidigung mit Hieb- und Stichwaffen ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Schon lange bevor die ersten Metalle verarbeitet werden konnten, verwendete der Mensch Stöcke, Knüppel oder große Knochen als Schlagwaffen. Diese Fähigkeit steigerte seine Kampfkraft mit einem Mal um ein Vielfaches. Der existentielle Vorteil trieb über Jahrtausende die Entwicklung und Verfeinerung der Schlag- und Schneidwaffen und deren effektive Handhabung voran. Erst mit der Erfindung der Schusswaffen wurde dieser Fortschritt mehr oder weniger zum Stillstand gebracht.

In den gegenwärtigen europäischen Gesellschaften hat die Selbstverteidigung mittels Schlagwaffen einen neuen Stellenwert erhalten, da durch Waffengebrauch Nachteile an Körperkraft und -masse zwar sehr einfach ausgeglichen werden können, derselbe aber strengen Gesetzen unterliegt.

Unter dem prägenden Einfluss von Großmeister Bill Newman entwickelten Generationen von fähigen Escrimadores aus einem philippinischen Kampfstil eine moderne Waffenkampfkunst, die den Erfordernissen einer wirksamen Selbstverteidigungsmethode in einer westlichen Gesellschaft voll gerecht wird.